Samstag, 28. Januar 2017

MARQUIS DE SADE, DONATIEN ALPHONSE FRANCOIS



De Sade wurde am 02.06.1740 als Sohn einer traditionsreichen Adelsfamilie mit Kontakten zu den Bourbonen geboren, die aber mit ihrem Vermögen nicht immer gut gewirtschaftet hat.

Angeblich kam es bei de Sade schon bei der Taufe zu Namensverwechslungen. Auch in seinem späteren Leben sollte er mehrere Namen angeben. De Sade wuchs innerhalb seiner Familie in Paris und auf Besitztümern in der Provence auf. Ab seinem zehnten Lebensjahr ging er für vier Jahre auf das Jesuitenkolleg Louis-le-Grand und danach auf eine Militärakademie. An beiden Institutionen hatte er Probleme mit dem Gruppenzwang.

Am Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) nahm er als Kavallerieoffizier teil. Auch hier hatte er Ärger mit dem Drill. Danach heiratete er 1763 Renée-Pelagie de Montreuil, die zwar aus einer weniger etablierten, aber dafür sehr reichen Familie stammte. 1764 erbte er von seinem Vater das Amt des königlichen Generalleutnants einiger an die Schweiz (Eidgenossenschaft) grenzenden Provinzen.

Sade hatte mit seiner Frau drei Kinder. Gleichzeitig trieb er sich oder verführte Hausangestellte. Bei einigen Orgien soll sie ihn unterstützt haben.
1768 wurde de Sade von einer jungen Frau beschuldigt, sie ausgepeitscht und vergewaltigt zu haben. Schliesslich nahm sie die Anzeige aber gegen eine Geldzahlung zurück.
De Sade verliess trotzdem Paris und zog auf sein Schloss La Coste in der Provence.
1772 gab es neue Anschuldigungen von Prostituierten aus Marseille. De Sade soll sie mit mit Kantharidin versetzten Anisbonbons verführt haben. Eine der Frauen starb daran.
De Sade wurde daraufhin zum Tode verurteilt.

De Sade floh nach Italien und wurde dabei von einer jungen Schwägerin, einem Stiftsfräulein, begleitet. 1777 wurde er aber bei einer Rückkehr nach Paris festgenommen und in Vincennes eingesperrt. Trotzdem wurde das Todesurteil 1778 zurückgezogen.
De Sade blieb aber weiterhin in Haft und brach 1784 aus. Seine Freiheit währte aber nur kurz und er kam in die Bastille. De Sade litt aber nicht übermässig unter seiner Haft, sondern konnte sich Bücher und Speisen von ausserhalb des Gefängnisses kommen lassen. Er begann auch mit der Abfassung eigener Werke.

Das literarische Werk de Sades ist bekannt für seine Beschreibungen sexueller Ausschweifungen. Der moderne Begriff Sadismus erinnert daran. De Sade hat sich aber auch philosophischen Themen gewidmet.
Er war Anhänger der Ideen der Aufklärung und vertrat atheistische Positionen. Er interpretierte die Naturrechtsidee aber so, dass das Recht auf der Seite des Stärkeren liegt. Hierin unterscheidet er sich von anderen Aufklärern wie LaMettrie.
De Sade wollte zwar die gesellschaftlichen Zwänge des Ancien Régime überwinden, darunter die Monarchie und die Herrschaft des Klerus, war aber nicht bereit, auf seine privilegierte Stellung und seinen Besitz zu verzichten.
De Sade wollte das Individuum befreien und vertrat einen rücksichtslosen Hedonismus. In seiner hemmungslosen Hingebung an Naturtriebe forderte er die Straffreiheit für Ehebruch, Inzest und eventuell sogar Mord.

De Sade lebte in einer ereignisreichen Zeit. Gesellschaftliche Umwälzungen standen an. Kurz bevor eine aufgebrachte Menschenmenge am 14.07.1789 die Bastille stürmte, wurde er nach Charenton in die Irrenanstalt gebracht. Im Verlauf der Revolutionswirren kam er 1790 wieder frei.
De Sade schloss sich sogar den Jakobinern an, also einer radikalen Fraktion der Revolutionäre. Als dann aber die Schreckensherrschaft anbrach, wurde er unter Maximilien Robespierre eingesperrt und zum Tode verurteilt. Zur Hinrichtung kam es jedoch nicht mehr, weil Robespierre selber hingerichtet wurde.
Schnell war klar geworden, dass de Sade zwar einige Barrieren des Ancien Régime aufbrechen wollte, aber keine Lust verspürte, vom Hedonismus zur Askese überzuwechseln.
Als 1795 das Direktorium an die Macht kam, konnte de Sade als freier Bürger leben, musste aber seinen Besitz verkaufen.
1801 wurde er unter Napoleon Bonaparte erneut eingesperrt und 1803 für geisteskrank befunden und wieder in Charenton eingesperrt. Napoleon wollte die nationale Moral straffen, obwohl er selber sexuell ausschweifend lebte. De Sade nutzte seine erneute Gefangenschaft wieder literarisch produktiv und schrieb biographische Romane und Theaterstücke. Am 2. 12. 1814 starb er nach einer Orgie in Charenton im Alter von 74 Jahren.


QUELLEN UND LITERATUR:

Wikipedia
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Walter Lennig: Marquis de Sade; Hamburg 1965